Themen aus dem AZT:

Verhalten von neuen Fahrzeugmodellen in RCAR-Tests mit Schwerpunkt auf Schutzpotenzial der Sitze und Karosseriedeformation

In den letzten Jahren kommen vermehrt Fahrzeuge von neuen bzw. jungen Fahrzeugherstellern auf den deutschen Markt. Gerade im asiatischen Raum, aus dem viele dieser Hersteller stammen, nehmen die Versicherungsleistungen in Bezug auf HWS-Distorsion (Whiplash) zu.

 

Aus diesem Grund ging das AZT zwei Fragen nach: 

1. Wie hoch ist das Schutzpotential der Fahrzeugsitze in diesen Fahrzeugen bei leichten Heckkollisionen? 

2. Wie hoch sind die Beschädigungen dieser Fahrzeuge im Vergleich zu traditionellen Herstellern auf dem deutschen Markt? 

Trotz guter Sitze mit einem hohen Schutzpotential kann durch eine überdurchschnittlich hohe Deformation nach dem Unfall die stoßbedingte Geschwindigkeitsänderung vom Sachverständigen zu hoch kalkuliert und somit auch das Verletzungsrisiko für die Insassen als zu hoch eingeschätzt werden. 

 

RCAR, eine internationale Gemeinschaft versicherungsbezogener Forschungszentren, hat nicht nur einheitliche Crashtests zur Risikobewertung neuer Fahrzeugmodelle etabliert sondern auch die International Insurers Whiplash Prevention Group (IIWPG) ins Leben gerufen. Die AZT Automotive GmbH (AZT) war von Anfang an ein sehr aktiver Teil dieser Gemeinschaft. In Zusammenarbeit mit anderen Versicherern, Ärzten, Biomechanikern, Ingenieuren und Universitäten wurde ein spezieller Heckaufprall-Dummy, der BioRID II, entwickelt und 2004 ein dynamischer Test mit entsprechenden Bewertungskriterien für Sitzstrukturen eingeführt.

Seitdem hat sich das Schutzpotenzial von Fahrzeugsitzen in Europa stetig erhöht. Mit dem zunehmenden Wohlstand im asiatischen Raum ist jedoch auch die Frage und der Umgang mit HWS-Distorsionsbeschwerden in den dortigen Ländern in den Vordergrund gerückt. Aber auch auf dem europäischen Markt wird das Thema wieder interessant, da immer mehr vor allem chinesische neue Fahrzeughersteller auf die Märkte drängen. Das wirft die Fragen auf welches Schutzpotenzial ihre Fahrzeugsitze bieten und welches Verformungsverhalten die Modelle bei leichten Heckkollisionen aufweisen.

Das AZT hatte die Gelegenheit, das Schutzpotenzial von Fahrersitzen mit einem BioRID II Dummy sowie das Strukturverhalten der Karosserie bei einigen dieser neuen Markenmodelle im Rahmen der Tests für die deutsche Typklasseneinstufung zu prüfen und mit den Werten der etablierten Hersteller in Europa zu vergleichen. Das Ergebnis wird in anonymisierter Form dargestellt. Das Paper ist hier abrufbar.

Die RCAR-IIWPG hat außerdem ein Paper veröffentlicht, in dem die bisherigen Forschungen und deren Ergebnisse der internationalen Schleudertraumaforschung zusammengefasst sind. Laut diesem Paper ist eine Berechnung der kollisionsbedingten Geschwindigkeitsänderung (Delta-v) auf der Basis der Schadensbilder eine der Grundlagen für eine Plausibilitätsprüfung von Schadensfällen.

Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, zu analysieren, ob neue Fahrzeugmodelle andere Schadensbilder aufweisen als aufgrund früherer Erfahrungen bei einer bestimmten Geschwindigkeit zu erwarten wäre.