Januar 2026
Das AZT hat im Rahmen des Projekts eine Analyse der einzelnen Positionen im Bob vorgenommen. Dabei hat sich gezeigt, dass die beiden vorderen Sportler primär durch das Aufschlagen des Kopfes gefährdet werden. Die beiden hinteren Sportler haben bei einem Sturz ein hohes Risiko, aus dem Bob geschleudert zu werden.
Besonders gefährdet im Falle eines Sturzes ist die Position 4 aufgrund ihrer bei diesen atypischen Belastungen unvorteilhaften Körperhaltung.
Das ganzheitliche Sicherheitskonzept des BSD und der Allianz sieht deshalb vor, dass ein sicherer Raum insbesondere für die beiden vorderen Athleten geschaffen wird und die beiden hinteren Athleten bevorzugt im Schlitten gesichert werden. Das AZT hat in Zusammenarbeit mit der FES die notwendigen Maßnahmen aufgeteilt. Dabei wird die FES die strukturellen Themen, also den Kopfschutz, bearbeiten. Im AZT wird die Insassensicherung entwickelt.
„Wir haben schon viel erreicht. Noch in den 1980er und 1990er Jahren gab es immer wieder Tote im Bob-Sport. Dennoch stürzen auch heute immer wieder Bobs, wobei die Sportler auch verletzt werden. Wir sind Experten für die Insassensicherheit in Autos und können deren Prinzipien in den Bobsport übertragen. Die aktuellen Bobs sind von der Sicherheit her gesehen vergleichbar mit offenen Autos aus den 60er Jahren. Daher entwickeln wir gemeinsam mit dem BSD ein ganzheitliches Sicherheitskonzept. Dieses umfasst sowohl den Schutz des Kopfes, die Verhinderung des Herausschleuderns der Sportler und Sportlerinnen nach einem Sturz, die Möglichkeit den Bob abzubremsen sowie die Verbesserung der Schutzkleidung und des Helms“, erklärt Carsten Reinkemeyer, Leiter Sicherheitsforschung im AZT.
Allianz Safety Sled mit dem Head Impact Protector (HIP) – System
Am 23.12.25 haben der BSD und das AZT die aktuellen Projektstände beider Lösungen vorgestellt. Ziel ist es, einen Proof of Concept für beide Systeme bis zum Ende der aktuellen Weltcupsaison abgeschlossen zu haben.
Danach wird die Freigabe durch den IBSF erfolgen müssen um dann die finale Erprobung durchführen zu können. Beide Lösungen müssen so gestaltet sein, dass sie auf alle vorhandenen Bobs adaptiert werden können.
Bei einem Viererbob gilt es, im Falle eines Sturzes alle vier Insassen in der Sicherheitszelle zu halten.
Am gefährdetsten im Falle eines Sturzes ist die Position 4 im Bob, der Bremser. Er befindet sich in einer vulnerablen Situation, weil er sich nur sehr weit von seinem Körperschwerpunkt entfernt festhalten kann. Deshalb kann er im Falle eines Sturzes aus dem Bob gehoben werden. Um dies zu verhindern, ist eine schwerpunktnahe Sicherung notwendig.
„Wir haben mit dem Bob-Team Illmann einige Konzepte am Eiskanal Altenberg testen können. Hierbei hat sich für den Bremser ein Gurtsystem als beste Lösung gezeigt, bei dem der Athlet in eine bereits geöffnete Gurtschlaufe springt und diese sich danach automatisch um sein Becken legt. Im Falle eines Sturzes kann der Sportler so im Schlitten gehalten werden. Damit können Eiskontakte und damit einhergehende Verletzungen wie beispielsweise an der Wirbelsäule oder auch nur Verbrennungen durch das Scheuern auf dem Eis bei hoher Geschwindigkeit vermieden werden“, sagt Markus Beischl, Ingenieur für Sportgeräte und Sportmaterialien im Allianz Zentrum für Technik (AZT).
„Wir haben ein System getestet, bei dem der Bremser nichts tun muss und sich der Gurt selbstständig ohne Zutun selbst befestigt. Der Bremser muss sich nicht aktiv anschnallen oder seine Sitzposition verändern. Die Variante lässt sich einfach in jedes Gerät bauen, stört das normale Startprozedere so gut wie gar nicht und bietet die Sicherheit, im Falle des Sturzes den Bremser in Position zu halten“, sagt Maximilian Illmann.
Thomas Schwab (Vorstandsvorsitzender sowie Sportdirektor und Generalsekretär des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland, rechts Markus Beischl
Die Sicherung des Sportlers auf Position 3 ist aufgrund der engeren Platzverhältnisse schwieriger. Hierbei bietet sich eine Sicherung mithilfe eines am Becken getragenen Gurtes mit einem automatischen Verschlusssystem am Rücken des Sportlers an. Erste Konzepte dazu sind bereits vorhanden, müssen aber noch mit den Aktiven erprobt werden.
Der Athlet in der Position 2 wird durch das HIP-System geschützt und hat aufgrund seiner Sitzposition ein sehr geringes Risko aus dem Schlitten gezogen zu werden.
Der Pilot ist aufgrund seiner Sitzposition vor dem Herausfallen aus dem Schlitten ausreichend gesichert. Gegen Kopfverletzungen schützt auch ihn das HIP-System.
Link zur Allianz Safety Sled Track Analysis Seite: https://safetysled.com